
Nach einer Notoperation an der Aorta und einer anschließenden Krankenhaus- und Reha-
Zeit – bei einigen von uns waren das zusammen sechs bis acht Wochen oder sogar länger – ist die Freude auf das eigene Zuhause oft riesig.
Gleichzeitig beginnt jetzt eine neue, manchmal ungewohnte Phase: Du bist wieder zu Hause, aber dein Körper ist noch lange nicht wieder dort, wo er vor der Operation war.
Zeit – bei einigen von uns waren das zusammen sechs bis acht Wochen oder sogar länger – ist die Freude auf das eigene Zuhause oft riesig.
In den ersten Wochen und Monaten geht es deshalb vor allem um eines: Heilung und langsamen Aufbau. Wie schnell du dich wieder belasten darfst, hängt unter anderem von der Art deiner Operation, deinem Heilungsverlauf und deiner persönlichen körperlichen Verfassung ab. Halte dich deshalb an die Empfehlungen deines Behandlungsteams – und gib dir selbst die Zeit, die du brauchst.
Belastung langsam steigern
Nach einer großen Operation ist es völlig normal, dass selbst alltägliche Dinge anfangs anstrengend sind. Ein Spaziergang, Duschen oder ein Einkauf können mehr Kraft kosten als erwartet.
Schwere körperliche Belastungen solltest du zunächst vermeiden. Welche Gewichtsgrenze für dich gilt, hängt von deiner Operation und der Heilung ab. Wenn dein Brustbein geöffnet wurde, gelten in den ersten Wochen besondere Vorsichtsmaßnahmen. Häufig wird zunächst empfohlen, nur leichte Lasten zu heben und Belastungen langsam zu steigern.
Einen Kasten Wasser oder einen Kasten Bier solltest du in dieser ersten Zeit jedenfalls nicht tragen. Auch Tätigkeiten wie Staubsaugen, Bettbeziehen, Gartenarbeit, Schneeschippen oder das Tragen voller Einkaufstaschen können anfangs zu anstrengend sein.
Wenn du unsicher bist, frag dein Behandlungsteam, welche Belastungen für dich aktuell erlaubt sind.
Bewegung ist wichtig – aber langsam
Bewegung gehört zur Erholung dazu. Sie sollte jedoch Schritt für Schritt aufgebaut werden.
Für den Anfang sind ruhige Spaziergänge meist eine gute Möglichkeit. Du kannst zunächst kurze Strecken gehen und diese langsam verlängern. Auch andere leichte Bewegungsformen können später dazukommen – abhängig von deinem individuellen Heilungsverlauf.
Sportarten mit erhöhter Sturz- oder Verletzungsgefahr solltest du in der ersten Zeit vermeiden. Dazu können beispielsweise Fahrradfahren, Skifahren oder bestimmte Ballsportarten gehören. Auch intensives Krafttraining und sehr anstrengende Workouts solltest du nicht auf eigene Faust wieder aufnehmen. Starke körperliche Anstrengung kann den Blutdruck deutlich erhöhen. Nach einer Aortendissektion ist deshalb ein kontrollierter und individuell abgestimmter Trainingsaufbau besonders wichtig.
Bewegung unter fachlicher Anleitung
Du musst den Weg zurück zur Bewegung nicht allein finden. Nach der medizinischen Freigabe können Herzsportgruppen eine gute Möglichkeit sein, unter fachlicher Anleitung wieder aktiv zu werden. Später kann auch eine Rehasportgruppe infrage kommen, um die Bewegung langfristig in deinen Alltag zu integrieren.
Ob ein solches Angebot für dich geeignet ist, hängt von deinem Gesundheitszustand und deinen individuellen Belastungsgrenzen ab. Sprich darüber mit deinem behandelnden Arzt oder deiner Ärztin.
Gut zu wissen: Unter bestimmten Voraussetzungen können die Kosten für ärztlich verordneten Rehabilitationssport oder Herzgruppen von der Krankenkasse übernommen werden. Lass dich beraten, welche Möglichkeiten für dich infrage kommen und welche Verordnung du benötigst.
Und was ist mit Schwimmen?
Schwimmen kann später durchaus wieder möglich sein. Direkt nach der Operation sollte jedoch zunächst die Wundheilung abgeschlossen sein. Solange eine Operationswunde noch nicht vollständig verheilt ist, sollte auf Schwimmbad, Badewanne und andere Situationen, in denen die Wunde längere Zeit mit Wasser in Kontakt kommt, verzichtet werden.
Wann Schwimmen für dich wieder möglich ist, solltest du mit deinem Behandlungsteam besprechen.
Höre auf deinen Körper
Nach einer Aortendissektion kann es schwierig sein, die eigenen Grenzen einzuschätzen. Manchmal fühlt man sich an einem Tag schon erstaunlich gut – und ist am nächsten Tag völlig erschöpft. Das ist kein Rückschritt!
Plane Pausen ein und verteile deine Aufgaben über den Tag. Du musst nicht alles auf einmal erledigen. Ein Einkauf kann anfangs bereits eine Herausforderung sein. Lieferdienste, Unterstützung durch Familie oder Freunde oder kleine Veränderungen im Haushalt können dir den Alltag erleichtern.
Hilfe anzunehmen ist keine Schwäche. Dein Körper hat eine schwere Operation und eine enorme Belastung hinter sich. Jetzt darfst du gut für ihn sorgen.
Schlaf und Erholung
Guter Schlaf unterstützt die Erholung. Nach einer Brustkorb-Operation kann es zunächst angenehmer sein, mit leicht erhöhtem Oberkörper zu schlafen. Manche Menschen empfinden dadurch weniger Beschwerden beim Liegen.
Auch ein regelmäßiger Tagesrhythmus kann helfen: möglichst ähnliche Schlafenszeiten, ausreichend Ruhephasen und ein langsamer Aufbau der täglichen Aktivitäten.
Und wenn der Schlaf trotzdem nicht gut funktioniert: Sprich darüber. Schmerzen, ungewohnte Schlafpositionen, Medikamente, Ängste oder die vielen Veränderungen nach der Operation können den Schlaf beeinflussen.
Wichtig
Es gibt keinen festen Zeitplan, der für alle nach einer Aortendissektion gilt. Manche Menschen machen schnell Fortschritte, andere brauchen deutlich länger. Versuche deshalb, deinen eigenen Verlauf nicht mit dem anderer Betroffener zu vergleichen.
Heilung ist kein Wettlauf. Schritt für Schritt zurück in den Alltag ist völlig in Ordnung.
Unsere Texte wurden mit viel Sorgfalt für Menschen mit Aortendissektion und ihre Angehörigen erstellt. Bitte verwendet oder veröffentlicht sie nicht ohne vorherige Zustimmung der AD-Selbsthilfe.
