Nach der Not-OP – welche Ärzte sind jetzt wichtig?
Nach einer Not-OP beginnt ein neuer Abschnitt: die Zeit nach dem Krankenhaus und eventuell nach der Reha. Viele Betroffene fragen sich dann: Wer ist jetzt eigentlich für meine Nachsorge zuständig? Welche Untersuchungen brauche ich? Und an wen wende ich mich bei neuen Beschwerden?
Eine feste Nachsorge, die für alle Patienten gleichermaßen gilt, gibt es nicht. Sie hängt unter anderem davon ab, welcher Teil der Aorta betroffen war, welche Operation durchgeführt wurde und welche weiteren Erkrankungen oder Beschwerden vorliegen. Die folgenden Fachrichtungen können dabei eine wichtige Rolle spielen.
1. Hausarzt – die erste Anlaufstelle
Der Hausarzt kann nach dem Krankenhausaufenthalt eine wichtige koordinierende Rolle übernehmen.
Zum Beispiel für:
- die Kontrolle des allgemeinen Gesundheitszustands
- Blutdruckkontrollen
- Medikamente und Folgerezepte
- Blutuntersuchungen, wenn diese erforderlich sind
- die Kontrolle der Operationswunde bzw. Narbe
- Krankschreibungen und Bescheinigungen
- Überweisungen zu Fachärzten
Gerade in der ersten Zeit nach der Entlassung können viele Fragen entstehen. Der Hausarzt ist deshalb häufig eine wichtige erste Anlaufstelle.
2. Kardiologie – Herz und Blutdruck im Blick behalten
Nach einer Aortendissektion ist die regelmäßige Kontrolle von Herz, Blutdruck und Herzklappen wichtig.
Je nach persönlicher Situation können beispielsweise dazugehören:
- Echokardiografie (Herzultraschall)
- EKG
- Langzeit-EKG bei entsprechenden Beschwerden
- Langzeit-Blutdruckmessung
- Kontrolle der Herzfunktion und der Herzklappen
- Überprüfung und Anpassung der Blutdruckmedikamente
Wie häufig diese Untersuchungen notwendig sind, richtet sich nach dem individuellen Befund.
Tipp: Termine bei Kardiologen möglichst frühzeitig vereinbaren – die Wartezeiten können lang sein.
3. CT oder MRT – die Aorta regelmäßig kontrollieren
Die Bildgebung ist ein wichtiger Bestandteil der langfristigen Nachsorge. Damit lässt sich kontrollieren, wie sich die Aorta nach der Dissektion und Operation entwickelt und ob sich beispielsweise verbliebene oder neu entstandene Veränderungen zeigen. Nach einer akuten Aortendissektion sind regelmäßige Bildgebung notwendig, aber der Abstand wird individuell festgelegt.
Dabei kommen vor allem CT oder MRT infrage. Welches Verfahren verwendet wird und in welchen Abständen kontrolliert wird, hängt unter anderem von der Operation, vorhandenen Gefäßprothesen oder Stents, der Nierenfunktion, bisherigen Befunden und der verbleibenden Aortenerkrankung ab.
Wichtig: Es gibt keinen Nachsorgeplan, der für alle Patienten nach einer Aortendissektion gleichermaßen gilt. Der Kontrollabstand richtet sich nach dem individuellen Befund und dem Verlauf und sollte mit den zuständigen Fachärzten bzw. dem behandelnden Aortenzentrum festgelegt werden.
4. Gefäßchirurgie oder Gefäßmedizin
Je nach Ausmaß der Aortendissektion können auch andere Gefäße betroffen sein. Eine gefäßmedizinische oder gefäßchirurgische Betreuung kann deshalb sinnvoll sein, wenn beispielsweise:
- weitere Abschnitte der Aorta betroffen sind
- Veränderungen an den Gefäßen im Bauch, Becken oder an den Beinen bestehen
- Durchblutungsstörungen auftreten
- Gefäße an Hals oder Armen betroffen sind
- eine weitere Behandlung oder Intervention notwendig werden könnte
Nicht jeder Patient benötigt regelmäßige Termine bei einem Gefäßchirurgen. Entscheidend ist der individuelle Befund.
5. Neurologie – wenn Nerven oder Gehirn betroffen waren
Eine Aortendissektion kann in manchen Fällen auch Auswirkungen auf die Durchblutung des Gehirns oder anderer Organe haben.
Eine neurologische Betreuung kann deshalb wichtig sein, wenn beispielsweise:
- Taubheitsgefühle oder Gefühlsstörungen bestehen
- Lähmungen oder Kraftverlust aufgetreten sind
- Sprach- oder Sehstörungen vorhanden sind
- ein Schlaganfall oder eine Durchblutungsstörung des Gehirns aufgetreten ist
- Konzentrations- oder andere neurologische Beschwerden zurückgeblieben sind
Auch hier gilt: Nicht jeder Patient braucht eine regelmäßige neurologische Kontrolle.
6. Zahnarzt – Zahngesundheit nicht vergessen
Nach einer schweren Erkrankung geraten Zahnarzttermine manchmal in den Hintergrund. Trotzdem ist eine gute Mund- und Zahngesundheit wichtig.
Vor größeren zahnärztlichen Eingriffen sollte geklärt werden, ob bei dir eine Endokarditisprophylaxe mit Antibiotika notwendig ist. Sie kommt bei bestimmten Risikokonstellationen infrage, beispielsweise bei künstlichen Herzklappen.
7. Aortenzentrum oder Aortensprechstunde
Direkt nach einer Not-OP steht zunächst etwas ganz anderes im Vordergrund: überleben, wieder zu Kräften kommen und die ersten Wochen bewältigen. Viele Patienten sind nach der Entlassung körperlich und emotional noch sehr belastet. Die Informationen aus Krankenhaus und Reha können kaum auf einmal verarbeitet werden. Deshalb muss nicht sofort jede Frage zur langfristigen Aortennachsorge geklärt sein.
Nach einigen Monaten kann es sinnvoll sein, die weitere Nachsorge in einem spezialisierten Aortenzentrum oder einer Aortensprechstunde zu besprechen. Für manche Patienten ist dieser Zeitpunkt nach etwa 3–6 Monaten passend.
Dort kann gemeinsam angeschaut werden:
- Wie sieht die Aorta nach der Operation aktuell aus?
- Welche Bereiche der Aorta müssen weiter kontrolliert werden?
- Welche Untersuchungen sind in welchem Abstand sinnvoll?
- Wer übernimmt welche Kontrollen?
- Gibt es Besonderheiten durch eine Gefäßprothese oder einen Stent?
- Welche Fragen ergeben sich für die weitere Belastbarkeit und den Alltag?
- Gibt es Befunde, bei denen eine weitere Behandlung notwendig werden könnte?
Ein Aortenzentrum kann dabei helfen, die verschiedenen Informationen zusammenzuführen und einen persönlichen Nachsorgeplan zu erstellen. Die europäischen Leitlinien zur Behandlung von Aortenerkrankungen betonen die Bedeutung einer strukturierten langfristigen Betreuung und Überwachung nach einer akuten Aortenerkrankung.
Und was ist mit der Reha?
Eine Reha kann nach einer Aortendissektion helfen, wieder mehr Sicherheit im Alltag zu gewinnen und die körperliche Belastbarkeit schrittweise aufzubauen. Je nach Situation können dabei beispielsweise Bewegung, Belastbarkeit, Blutdruck, Medikamente, Ernährung und der Umgang mit der Erkrankung thematisiert werden. Auch nach der Reha endet die Nachsorge jedoch nicht. Die langfristige Kontrolle der Aorta bleibt wichtig.
Ein persönlicher Nachsorgeplan kann helfen
Nach einer Not-OP kommen viele Informationen gleichzeitig auf dich zu. Krankenhaus, Reha, Medikamente, Arzttermine und Untersuchungen können schnell unübersichtlich werden. Deshalb kann es hilfreich sein, dir einen eigenen Nachsorgemappe oder digitalen Ordner anzulegen.
Darin können zum Beispiel gesammelt werden:
- Entlassungsbrief
- OP-Bericht
- CT-/MRT-Befunde und Bilder
- Arztbriefe
- Medikamentenplan
- Blutdruckwerte
- wichtige Untersuchungstermine
- Implantat- oder Prothesenpass, falls vorhanden
- Kontaktdaten des behandelnden Aortenzentrums
So hast du deine wichtigsten Informationen bei jedem Arzttermin griffbereit.
Wichtig
Diese Übersicht dient ausschließlich zur Orientierung und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die notwendige Nachsorge ist individuell und kann je nach Art der Aortendissektion, Operation, vorhandenen Prothesen oder Stents und weiteren Erkrankungen deutlich unterschiedlich sein.
Bei neuen oder plötzlich starken Beschwerden sollte nicht auf einen regulären Kontrolltermin gewartet, sondern umgehend medizinische Hilfe in Anspruch genommen werden.
Quellen: ESC 2024 Guidelines – Peripheral Arterial and Aortic Diseases • 2022 ACC/AHA Guideline for the Diagnosis and Management of Aortic Disease • ESC 2023 Guidelines – Endocarditis
Unsere Texte wurden mit viel Sorgfalt für Menschen mit Aortendissektion und ihre Angehörigen erstellt. Bitte verwendet oder veröffentlicht sie nicht ohne vorherige Zustimmung der AD-Selbsthilfe.
