Wenn der Partner nicht
mehr der alte ist
Eine Aortendissektion verändert vieles. Die körperliche Heilung braucht Zeit – manchmal deutlich länger, als man zunächst denkt. Aber auch emotional und mental muss sich vieles erst wieder einfinden.
Diese Veränderungen betreffen nicht nur den Menschen, der die Erkrankung erlebt hat.
Auch für den Partner oder die Partnerin kann sich das gemeinsame Leben plötzlich ganz anders anfühlen.
Auch für den Partner oder die Partnerin kann sich das gemeinsame Leben plötzlich ganz anders anfühlen.
Plötzlich ist nichts mehr wie vorher
Nach einer schweren Not-OP ist der Alltag oft nicht mehr derselbe. Was früher selbstverständlich war, kann plötzlich schwierig oder gar nicht mehr möglich sein. Gemeinsame Aktivitäten werden weniger, Pläne müssen verändert werden und beide müssen sich an eine neue Situation gewöhnen.
Wenn der gesunde Partner plötzlich alles übernimmt
Haushalt, Einkäufe, Termine & Familie oder andere Aufgaben des täglichen Lebens – vieles bleibt zunächst am gesunden Partner hängen. Dadurch können sich die vertrauten Rollen in der Beziehung verändern.
Auch kleine Dinge können für den erkrankten Partner anstrengend sein. Ein Spaziergang, ein Ausflug oder ein Treffen mit Freunden kostet vielleicht mehr Kraft als früher. Das kann den gemeinsamen Alltag und die Zeit miteinander spürbar verändern.
Wenn die Arbeit plötzlich wegfällt
Neben der gesundheitlichen Belastung können dadurch auch finanzielle Sorgen entstehen. Ein längerer Ausfall vom Berufsleben kann Fragen aufwerfen: Wie geht es finanziell weiter? Reicht das Einkommen? Was passiert, wenn die Arbeitsfähigkeit länger eingeschränkt bleibt?
Diese Sorgen können Ängste und zusätzlichen psychischen Druck auslösen – beim Erkrankten, aber auch beim Partner oder der Partnerin. Gerade wenn ohnehin schon vieles neu organisiert werden muss, kann die finanzielle Situation zu einer weiteren Belastung für die Beziehung werden.
Wenn Schuldgefühle entstehen
Der erkrankte Partner fühlt sich vielleicht schuldig, weil vieles nicht mehr so funktioniert wie früher. Vielleicht kann er oder sie beim Einkaufen, Aufräumen oder der Gartenarbeit nicht mehr mithelfen, gemeinsame Unternehmungen fallen aus und der gesunde Partner muss plötzlich mehr Verantwortung übernehmen.
Solche Gedanken und Gefühle sind verständlich. Eine Erkrankung sucht sich niemand aus – und trotzdem können Schuldgefühle ein Teil des neuen Alltags werden.
Wenn sich auch das soziale Leben verändert
Auch Freundschaften und Kontakte können schwieriger werden. Familientreffen oder Feste sind vielleicht zu anstrengend, werden seltener oder fühlen sich einfach nicht mehr so an wie früher.
Manchmal ziehen sich Freunde auch zurück, weil sie nicht wissen, wie sie mit der neuen Situation umgehen sollen. Das kann zusätzlich belasten.
Was jetzt helfen kann
Eine solche Veränderung ist für beide Partner eine Herausforderung. Es braucht Zeit, Geduld und gegenseitiges Verständnis, um sich in der neuen Situation zurechtzufinden.
Offen darüber zu sprechen, was gerade schwerfällt, was gebraucht wird und was vielleicht wieder möglich ist, kann helfen. Auch finanzielle Sorgen müssen nicht alleine getragen werden. Es kann entlasten, sich rechtzeitig über mögliche Unterstützung und Beratungsangebote zu informieren.
Mit Einschränkungen zu leben, ist nicht leicht. Aber trotz allem hat sich eines nicht verändert: Ihr habt einander noch. Vielleicht ist genau das ein guter Ausgangspunkt, um gemeinsam einen neuen Alltag zu finden.
Und ihr müsst diesen Weg nicht allein gehen.
In unserer Selbsthilfegruppe gibt es einen geschützten Raum für Menschen nach einer Aortendissektion und einen eigenen Raum für Angehörige. Hier könnt ihr euch mit anderen austauschen, die wissen, wie sich das Leben nach einer solchen Erfahrung verändern kann.

Text: AD-Selbsthilfe
Unsere Texte wurden mit viel Sorgfalt für Menschen mit Aortendissektion und ihre Angehörigen erstellt.
Bitte verwendet oder veröffentlicht sie nicht ohne vorherige Zustimmung der AD-Selbsthilfe.
